Newsletter February 2017 DE

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FASCIA NEWS
Ein sporadischer Infobrief der Fascia Research Gruppe, Universität Ulm
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Sehr geehrte Kollegen,

Sollten Sie diesen Infobrief zum ersten Mal von uns erhalten, dann haben Sie vermutlich an einer unserer Veranstaltungen teilgenommen oder haben uns irgendwann einmal Ihr aktives Interesse an unseren Veranstaltungen, Produkten oder sonstigen Aktivitäten rund um das Thema Faszien mitgeteilt. Wir planen diese FASCIA NEWS zwischen 1- und maximal 4-mal pro Jahr zu versenden. Sollten Sie daran nicht oder nicht mehr interessiert sein, antworten Sie bitte einfach auf diese Email mit dem Wort “ABMELDEN” im Text. Alternativ können Sie sich auch direkt am Ende des Infobriefes abmelden.

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Workshop mit Prof. Paul Hodges (Australien) in München

Den meisten Physiotherapeuten, Orthopäden u. Pilates-Lehrern ist er ein Begriff. Prof. Paul Hodges von der Queensland University in Australien hat das Konzept der segmentalen Stabilisation durch zahlreiche Forschungspublikationen mitgeprägt. Innerhalb der evidenz-basierten Physiotherapie gibt es vermutlich weltweit keinen Forscher mit einem höheren Ausmaß an hochkarätigen Forschungspublikationen. Während er sich in der Vergangenheit fast ausschließlich der muskulären Aktivität einzelner Rumpfmuskeln widmete (insbes. dem Transversus Abdominis sowie dem Multifidus), gilt sein aktuelles Interesse vermehrt der Dynamik der pro- bzw. anti-entzündlichen Botenstoffe in der Grundsubstanz der faszialen Gewebe. Hier insbesondere die Frage, wie diese auf unterschiedliche Bewegungsbelastungen sowie physiotherapeutische Maßnahmen reagieren.

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Es ist uns daher eine ganz besondere Ehre und Vergnügen, dass es uns gelungen ist ihn kurzfristig zu einem 2-tägigen Workshop in Deutschland zu gewinnen. Konkret handelt es sich um einen Workshop mit ihm in München am 15.-16. März 2017.

Selbstverständlich wird er dabei die aktuelle Datenlage sowie daraus abgeleitete klinische Anwendungen vorstellen zum Konzept der segmentalen spinalen Stabilisation. Daneben bat er jedoch auch ausführlich darum, auch seine neuesten Befunde u. Inspirationen zur Matrix Regulation der myofaszialen Gewebe einzubringen ... was wir ihm freudig gestattet haben

Der Startschuss zur Anmeldung ist eröffnet. Wer sich rechtzeitig anmeldet, darf sich freuen bei dieser seltenen Gelegenheit – Paul Hodges 2 Tage lang als Lehrmeister zu genießen – dabei zu sein. Simultanübersetzung ins Deutsche inklusive. Info und Anmeldung über www.paul-hodges-muenchen.de

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Vorzugsangebote für Mitglieder der Fascia Research Society

Zahlreiche Leser sind es bereits: sie sind Mitglieder in der internationalen Fascia Research Society. Zumal ein wertvoller Vorteil davon ein kostenloses Abonnement der Zeitschrift ‚Journal of Bodywork and Movement Therapies’ beinhaltet, welches aktuell vermutlich die bedeutendste Publikations-Plattform für faszienorientierte Forschungsarbeiten u. –diskussionen darstellt. Derzeit betragen die Mitgliedsgebühren nur $125 regulär bzw. $35 für Studenten. Vor wenigen Tagen hat sich diese Vereinigung zu folgenden weiteren ‚Lockangeboten’ entschlossen: Mitglieder erhalten ab sofort einen 10%igen Rabatt bei Anmeldung zum kommenden Kongress ‚Connective Tissues in Sports Medicine’ am 17.-18. März 2017 an der Universität Ulm ( www.connect-ulm2017.com ). Zusätzlich bekommen Sie die Möglichkeit zur kostenlosen Teilnahme an einem Webinar, das gezielt auf diesen Kongress vorbereiten soll (Daten 16. u. 17.02.2017). Zusätzlicher Bonus: eine Einladung zu einem Austausch-Treffen mit Prof. Thomas Findley u. anderen FRS Mitgliedern während des Kongresses. Mehr unter www.fasciaresearchsociety.org

Und last not least: Auch für den beschriebenen kurzfristig anberaumten Workshop mit Prof. Paul Hodges in München bekommen Mitglieder einen Rabatt. Einfach auf der Registrations-Anmeldeseite die entsprechende Option anklicken.

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Auszeichnung für Dr. Müller-Wohlfahrt

muellerAls Mannschaftsarzt betreut er die deutsche Fußballnationalmannschaft seit 1995 und unterstützte lange Zeit zusätzlich in dieser Funktion auch den FC Bayern München (1977–2015). Usain Bolt widmete ihm seine letzte Goldmedaille als Sprinter und reihte sich damit in die lange Liste internationaler Top-Athleten ein, die sich mit ihren diversen Sportverletzungen in seine kundigen Hände begaben. Was viele nicht wissen: Dr. Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt widmet in seiner Diagnostik und Behandlung eine unüblich hohe Beachtung auf die faszialen Gewebekomponenten. Dies beschrieb er schon vor mehreren Jahrzehnten und kann daher mit recht als ein Pionier im sportmedizinischen Faszientherapie-Bereich bezeichnet werden. Siehe hierzu sein populäres Buch ‚Mensch beweg Dich – so schützen Sie ihr Bindegewebe’ von 2001 sowie das interessante SZ-Interview:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/37627 Seitdem hat er zahlreiche sportmedizinische Kollegen, Chirurgen und Physiotherapeuten in diesem Ansatz inspiriert, die mit ihm zusammengearbeitet und von ihm gelernt haben.

Im Rahmen des www.connect-ulm2017.com Kongresses wird es – das ist auch erst seit wenigen Tagen klar – als besonderes Highlight eine persönliche Preisverleihung eines ‚Clinical Pioneer Awards’ an Hrn. Dr. Müller-Wohlfahrt geben. Diese wird im Rahmen der akademischen Plenumsveranstaltung um 18.03.17 stattfinden, wobei der Preis von Prof. Thomas Findley (Fascia Research Society) an Herrn Dr. Müller-Wohlfahrt übergeben wird. Als Veranstalter werden wir bemüht sein, hierbei einen evtl. Medienrummel zu begrenzen, und die Wertschätzung auf die fachliche Würdigung im Feld der internationalen faszienorientierten Sportmedizin zu legen.

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FORSCHUNGS-NEUIGKEITEN

Telozyten als neuer Zelltyp in den Faszien

Im Jahr 2010 wurde von bulgarischen Forschern ein neuer Zelltyp beim Menschen und anderen Wirbeltieren identifiziert; die sogenannten Telozyten. Sie befinden sich meist im faserigen Bindegewebe und enthalten sehr lange Fortsätze, die sogenannten Telopoden. Ursprünglich hielt man sie für Nervenzellen, bis klar wurde, dass sie aus dem embryonalen Mesenchym stammen, also nicht zu den neuronalen Zellen gehören. Dann hielt man sie für Fibroblasten, bis klar wurde, dass diese neu entdeckten Zellen weniger zur Synthese von Fasern und anderen Matrixelementen benutzt werden, sondern offensichtlich zur interzellulären Kommunikation.

Neuere Studien legen die Vermutung nahe, dass diese langfaserigen Zellen wichtige Rollen spielen in der Mechanosensation – sowie der Übersetzung von mechanischen Reizen in chemische Programmbefehle der Bindegewebszellen – und der Regulation von Wundheilung und gesunder Matrix Erneuerung. Mit hoher Sicherheit werden sie eine wichtige zukünftige Rolle innerhalb des Faszienforschungsfeldes einnehmen.

Mehr unter:
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27452296
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27762645
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27796902

Beckenorgane zukünftig ohne parasympathische Innervation?

Eine Veröffentlichung einer französischen Studie im renommierten Journal Science löste kürzlich grosses Aufsehen aus, indem sie eine lang verbreitete Annahme über die vegetative Innervation der Beckenorgane in Frage stellte. Bisher ging man davon aus, dass das parasympatische Nervensystem nicht nur einen kranialen sondern auch einen sakralen Anteil hat, wobei es mit letzterem Anteil Organe im Beckenbereich versorgt. Eine detaillierte genetische und molekularbiologische Untersuchung der efferenten autonomen Fasern im sakralen Bereich des Rückenmarks ergab nun wider Erwarten, dass diese weitaus mehr Ähnlichkeiten mit sympatischen Fasern als mit parasympathischen haben.

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Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Geo-Science-International

Eine mögliche Konsequenz einer solchen Neu-Zuordnung könnte es sein, dass vegetative neuralen Prozesse des Beckenraumes primär als Sympathikus-reguliert verstanden werden, während sich die Wirkung des Parasympathikus primär auf die verschiedenen vagalen Funktionen beschränkt. Mehr unter: http://science.sciencemag.org/content/354/6314/893

Neue Erklärung für häufige Sehnenverletzungen bei jungen Athleten:

Eine Studie aus der Gruppe um Prof. Adamantios Arampatzis in Berlin untersuchte Sehnen u. Muskeln der Beine von 18 jugendlichen Volleyballspielern über einen Zeitraum von 2 Jahre. Dabei zeigte sich eine relativ einheitliche Zunahme der morphologischen und funktionellen Parameter der Sehnen im Gegensatz zu einer vergleichsweise nicht-homogenen Veränderung der Muskulatur. Das daraus resultierende vorübergehende Missverhältnis zwischen muskulärer Kraft u. Sehnen-Belastbarkeit bei einem nennenswerten Teil der Athleten bietet nach Meinung der Forscher eine neue Erklärung für die sehr häufigen Verletzungen bei dieser Sportlergruppe. Falls zutreffend würde dies den möglichen Wert eines gezielten Sehnentrainings für eine zukünftige Verletzungsvermeidung bei diesen Sportlern unterstützen.

Mehr unter: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26644277

Hormon-Rezeptoren an faszialen Fibroblasten

Aus der Forschergruppe um Prof. Carla Stecco in Padua gibt es zwei neuere Publikationen in denen bestimmte Rezeptoren (Andockstellen) von faszialen Fibroblasten untersucht wurden. Hierbei wurde einerseits bei weiblichen Patienten die Präsenz von mehreren Hormon-Rezeptoren dokumentiert wurde. Dass z.B. Östrogen die Festigkeit von faszialen Geweben verändern kann, wurde schon lange beobachtet. So gibt es etwa zahlreiche Studien die eine vermehrte Verletzungsanfälligkeit von Sportlerinnen um den Eisprung herum dokumentieren. In der neuen Studie fanden sich zahlreiche Fibroblasten mit Rezeptoren für Östrogen in den allen untersuchten faszialen Geweben. Interessanterweise war das aber nur bei einem Teil der Zellen der Fall, also nicht bei allen. Ein ähnlicher Befund ergab sich in Bezug auf das Hormon Relaxin (dem eine steifigkeitsverringernde Wirkung zugeschrieben wird). Beide hormonelle Rezeptoren fanden sich zahlreicher bei postmenopausalen Frauen als bei solchen vor der Menopause. Klinisch relevant ist hierzu möglicherweise die Tatsache, dass beiden Rezeptortypen eine anti-entzündliche sowie anti-fibrotische Wirkung zugeschrieben wird.

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Typische Fibroblasten, wie diese prinzipiell auch in allen Faszien vorhanden sind.

Bild: www.flickr.com/photos/zeissmicro/24271618921

In einer weiteren Studie konnten die Forscher das zahlreiche Vorhandensein von Rezeptoren für Endocannabinoide nachweisen. Diese Andockstellen sind nicht nur empfänglich für extern zugeführte Cannabis-Substanzen sondern auch für ähnliche schmerzstillende Botenstoffe welche der Körper selbst herstellt. Die Präsenz dieser Rezeptoren – sowie zukünftig zu erwartende Detail-Untersuchungen über regionale u. inter-individuelle Unterschieden in deren Dichte – sind besonders interessant vor dem Hintergrund anderer Studien, die bereits über eine vermehrte Ausschüttung von Endocannabinoiden bei manualtherapeutischen Anwendungen berichteten. Auch über diese nicht-hormonellen Botenstoffen gibt es deutliche Hinweis auf eine sowohl anti-entzündliche als auch anti-fibrotische Wirkung im myofaszialen Bindegewebe.

Mehr unter:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28076930 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27349320

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Fascia-Releazer

FasciaReleazerDem Stuttgarter Physiotherapeuten und Mitglied unserer Ulmer Faszienforschungsgruppe, Christopher Marc Gordon, ist es gelungen ein neues Gerät zu entwickeln, welches eine neue Form der myofaszialen Selbstbehandlung erlaubt und das wir ab sofort auch mit grosser Begeisterung in unserem www.fascialnet.com Shop anbieten. Es handelt sich um einen wunderschön geformten Holzstab mit vier verschiedenen Behandlungsflächen, der eine noch größere Traktions- bzw. Scherbewegungs-Wirkung im behandelten Gewebe erzeugt als die meisten der üblichen Hartschaum-Faszienrollen. Zusätzlich erzeugt ein in dem Stab versteckter elektronischer Oszillator eine anregende mechanische Vibration, die sowohl eine verstärkte sensorische Stimulation als auch Stoffwechselanregung verspricht. Erste klinische Studien, die unter anderem beim letzten Fascia Research Congress hierzu vorgestellt wurden, deuten bereits auf eine beachtliche therapeutische Wirkung hin. Mehr zu diesem neuen Tool unter:

http://shop2.fascialnet.com/shop/de/sonstige/fascialnet/371/fascia-releazer?c=8

 

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Soweit die aktuellen Neuigkeiten aus dem international Fascianado-Netzwerk, aus der Perspektive unserer kleinen Ulmer Forschungsgruppe

Mit faszinalen Grüßen
Dr. Robert Schleip
und das Fascia Research Team

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